Cerocahui -> Divisadero

Vom Kupfercanyon und der teuer bezahlten Aussicht

 

Wir hatten mit Mauricio vereinbart, dass es um 8:30 Uhr Frühstück gibt. Das wurde wieder frisch zubereitet. Vorab bekamen wir einen Obstteller. Dann gab es Huevos a la Mexicana (mexikanisches Rührei mit Zwiebel, Paprika, Jalapeños) mit Bohnenpampe und Tortillas. Früher ließen wir die Bohnenpampe immer links liegen, doch mittlerweile essen wir sie gerne dazu, um die Schärfe abzumildern. Toast, Marmelade und Honig standen schon auf dem Tisch.   

Nach dem Frühstück bat ich um die Rechnung und war erstaunt, dass nur der Zimmerpreis verlangt wurde. In der Buchungsbestätigung von Booking.com stand, dass im Zimmerpreis keine Mahlzeiten inbegriffen sind. Umgerechnet kostete die Vollpension 65 €. Ein Schnäppchen, wenn man von der Abgeschiedenheit absieht.  

Um 10:30 Uhr war Abfahrt. Wie vereinbart hielt Mauricio in der Ortsmitte von Cerocahui,

 

damit wir die Missionskirche anschauen konnten.

 

Am Bahnsteig in Bahuichivo verabschiedeten wir uns von Mauricio und dem mexikanischen Paar, die nun 1,5 Stunden auf den Zug warten mussten.  

Unser Zug traf recht pünktlich um 12:30 Uhr ein. Wir waren natürlich sehr gespannt, ob wir tatsächlich in der 1. Klasse befördert werden. Falls nicht, hätten wir ein Problem gehabt, denn Mauricio war schon längst über alle Berge und die Bushaltestelle 2 km entfernt. Von Bahuichivo aus fährt nämlich auch ein Bus in Richtung Chihuahua.  

Der Schaffner sprach etwas Englisch und teilte uns gleich einen Platz zu. Nun waren wir  auf die 1. Klasse gespannt und wurden gleich ernüchtert.

Die Primera Clase unterscheidet sich von der zweiten nur darin, dass die Polster eine andere Farbe haben, die Fußstützen fehlen, es weiße Schutztücher am Kopfteil gibt, ständig geputzt wird und in den etwas größeren Toiletten Seife und Papierhandtücher sind. Gut bewacht sind übrigens alle Waggons. Der Sicherheitsdienst patroulliert ständig.

 

Da noch jede Menge Sitzplätze frei waren, verteilten wir uns und stellten einfach die Koffer daneben.

 

Landschaftlich ist die Gegend schon reizvoll, denn die Strecke führt über 39 hohe Brücken

 

und es gibt viele malerische Schluchten. Leider ist die Sierra Madre stark bewaldet. Entweder dies erschwert das Fotografieren oder hohe Felsen. Dazu kommt, dass sich die Leute zwischen den Waggons mit ihren Kameras drängen.  Da hatten wir es in der 2. Klasse ganz hinten viel besser. Also ganz ehrlich, den Preis für die erste Klasse kann man sich sparen, wenn die 2. Klasse angehängt ist.   

Der Schaffner kam zwischendurch und kassierte für die zweistündige Fahrt 1100 P = 54 €. Man kann im Zug nur einzelne Strecken lösen und nicht schon vorab bis zur Endstation. Das hätte bedeutet, dass wir am nächsten Tag nochmals 54 € hätten bezahlen müssen. Die Einzelfahr-scheine sind somit recht teuer.  

Je weiter wir in Richtung Divisadero kamen, desto mehr Dörfer befinden sich entlang der Strecke.

 

Die buntgekleideten Tarahumara Frauen und Mädchen nutzen jeden Chepe-Stopp, um den Passagieren handgearbeitete Körbe aus geflochtenen Gräsern zu verkaufen.

 

Sie verdienen sich damit ein paar Pesos, denn so ein kleines Körbchen kostet 20 P = 1 €. Ich wollte mir eigentlich nichts kaufen, doch den rehbraunen Augen eines kleinen Mädchens konnte ich einfach nicht widerstehen. Ich hoffte, dass das Körbchen die Reise übersteht.  

Nach 2 Stunden erreichten wir Divisadero.

 

Mir wurde jedoch nicht so galant aus dem Zug geholfen, da wir wieder in einem der hinteren Waggons untergebracht waren

 

und uns schon an die Schlepperei über die Gleise gewöhnt hatten.

Der Zug hat in Divisadero immer 20 Minuten Aufenthalt, denn da ist Halbzeit und Personalwechsel. Passagiere die weiter fahren, können dennoch die Zeit nutzen und einen Blick in den Kupfercanyon werfen, Souvenirs kaufen oder zu Mittag essen.  

 

Wir hatten Glück, denn ein eifriger Mann mit Sackkarre hatte sofort erkannt, dass wir zum Hotel wollten.  

Vorbei an vielen Verkaufsständen

und Garküchen

folgten wir ihm hinunter.

 

Vor allem direkt an der Abbruchkante gibt es viele Verkaufsstände der Tarahumara.

 

Unser erster Blick in eine gewaltige Errosionslandschaft , dem Barranca del Cobre (Kupfercanyon):

 

Noch ein kurzer Blick nach oben zum Chepe,

 

bevor wir im Hotel Divisadero Barrancas eincheckten. Unser Zimmer befand sich im Nebengebäude.

 

Wir stellten nur kurz die Koffer ab und machten uns gleich auf den Weg nach oben zur Garküche. Dort bereiten Frauen leckere Gorditas zu.

 

Diese werden nach Wunsch (Huhn, Rind, vegetarisch, mild oder scharf) gefüllt. Sie sehen auf den ersten Blick zwar nicht gerade appetitlich aus, doch geschmeckt haben uns die mexikanischen Mais-Döner.

 

Die zwei Gorditas und zwei Cokes kosteten zusammen 90 P. = 4,40 €.   

An den Sitzgelegenheiten trafen wir den japanischen Studenten mit Freundin wieder. Die hatten aber nur wenig Zeit, denn sie wollten mit dem Bus nach Chihuahua weiter fahren. Sie erklärten uns aber noch kurz den Weg zum Adventure Park. 

Der Rimtrail beginnt am Bahnsteig

 

und führt zunächst  2,5 km an der Abbruchkante entlang.

 

Wir kamen an einem Kassenhäuschen vorbei und mussten 50 P. = 2,50 € Wegzoll bezahlen. Im Nationalpark befindet sich das Reservat der Tarahumara  und die verlangen zurecht einen kleinen Obulus.  

Alle paar hundert Meter gibt es Aussichtsplattformen.

 

Zwischendurch führt eine Abkürzung über diese Hängebrücke.

Die Plattform hat keine Glasplatte, sondern man steht auf Gitterrosten. 

 

 

Danach führt ein Pfad weitere 1,5 km übers Hochplateau.  

Kurz vor 16 Uhr erreichten wir den Adventure Park mit der (noch) weltlängsten Zipline. Die hatten den Betrieb aber schon eingestellt und die Seilbahn fuhr an dem Nachmittag zum letzten Mal hinüber zum Aussichtspunkt auf alle drei Canyons.

 

Wir planten die Fahrt mit mehr Zeit am nächsten Morgen ein und machten uns gemütlich auf den Rückweg.   

Schon bald schloss sich uns eine ausgemergelte Hündin an. Zuerst dachten wir, dass sie irgendjemand vom Adventure Park gehört, doch sie begleitete uns die ganzen 4 km und wich uns nicht von der Seite.   

Im Hotel sprach uns der einzig englischsprachige Angestellte an und fragte, ob er uns behilflich sein kann. Wir erzählten, dass wir im Adventure Park waren und am nächsten Morgen nochmals hin wollten. Der Gästebetreuer meinte, dass wir in Europa doch genügend Seilbahnen hätten und falls wir gerne wandern, er uns einen Trail zeigt. Wir wollten noch wissen, wo genau die Bushaltestelle ist und wann der Bus nach Creel fährt.   

Der Bus fährt 13:15 Uhr und der Chepe erst 14:30 Uhr. Dazu kommt, dass wir für die kurze Strecke nach Creel wieder, je nach Klasse, zwischen 600 und 1100 P. hätten bezahlen müssen. Wir entschlossen uns, die weiteren Strecken mit dem Bus zu fahren und nun war ich froh, dass ich keine weiteren Tickets für den Chepe hatte.  

Das Hotel hat eine unschlagbare Lage und Aussicht in den Canyon, aber das Essen ist fürchterlich. Das Restaurant hat nur bestimmte Öffnungszeiten und es gibt nur ein Einheitsessen. An diesem Abend wurde uns eine geschmacksneutrale Spinatcremesuppe, dann eine Schuhsohle vom Rind mit Kartoffelpüree und rohem verwelktem Brokkoli serviert. Eine Mexikanerin am Nebentisch reklamierte lautstark und ihre Tochter verweigerte ganz das Essen. Zum Nachtisch gab es ein komisches Zitronentörtchen. Das alles zu einem stolzen Preis von 760 P. = 37 € inkl. Getränke. Das zähe Fleisch packte ich in eine Serviette und hoffte, dass noch einer der Straßenhunde unterwegs ist.   

Kaum draußen, erwartete uns die Hündin und schluckte das Leckerli in einem Bissen hinunter. Sie begleitete uns noch bis zur Zimmertüre im ersten Stock und ich ärgerte mich, dass ich kein Hundefutter im Gepäck hatte.  

Den Rest vom Abend verbrachten wir mit Lesen und Reisenotizen machen. Auch in dieser Abgeschiedenheit gab es weder Fernsehen noch Internet.  

Übernachtung: Hotel Divisadero Barrancas

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